Joker: Folie à Deux – Absurdität vor Gericht

Todd Phillips‘ Fortsetzung Joker: Folie à Deux (2024) kam bei Publikum und Kritik nicht besonders gut an. Zu lang die Musiknummern, zu dünn die Handlung, zu ernüchternd das Ende. Doch wenigstens zwei Perspektiven auf den Film, lassen ihn nicht ganz uninteressant erscheinen: Als Bewunderer des Philosophen und Romanciers Albert Camus kommt man nicht umhin, deutliche Parallelen zu dessen Roman Der Fremde (1942) festzustellen. Und als Psychotherapeut fällt auf, dass Arthurs angebliche Dissoziative Identitätsstörung weit weniger eindeutig ist, als seine Verteidigerin behauptet.

„Ich habe nie behauptet, jemand anderes zu sein.
Ich bin immer ich selbst gewesen.“

— Arthur Fleck, im Zeugenstand

Im Zentrum von Folie à Deux steht der Strafprozess gegen Arthur Fleck, der für die Morde des ersten Films zur Verantwortung gezogen werden soll. Die Verteidigungsstrategie seiner Anwältin beruht auf einer psychiatrischen Diagnose: Dissoziative Identitätsstörung. Der „Joker“ sei eine eigene, gleichsam von Arthurs Bewusstsein abgespaltene innere Teilpersönlichkeit, die der eigentliche Arthur nicht kontrollieren könne. Arthur selbst untergräbt diese Strategie, indem er im Laufe des Verfahrens zunehmend die narrative Hoheit über seine eigene Identität zurückfordert.

Diese Konstellation erinnert deutlich an Albert Camus‘ existenzialistischen Roman aus den 1940er Jahren. Auch dort steht ein Mann vor Gericht, der – zumindest nach Meinung seiner Ankläger – keine angemessenen Gefühle zeigt. Auch dort wird der Prozess zu einer Verhandlung nicht über die Tat, sondern über die Person.

Camus‘ Protagonist Meursault hat einen Mann erschossen – ohne ersichtlichen Grund, fast nebenbei, unter der sengenden Sonne eines algerischen Sommers. Im Prozess wird ihm jedoch dies weniger zum Verhängnis. Was ihn vielmehr verurteilt, ist seine außerhalb der normativen Erwartung liegende Emotionalität. Ähnlich, wie bei Arthur, wird im Prozess gegen Meursault weniger forensisch, als vielmehr psychologisch verhandelt. Er hat beim Begräbnis seiner Mutter nicht geweint. Er hat tags darauf eine Komödie besucht. Er bejaht das Leben, in Form von Sex, Sonne und Genuss, achtet es aber nicht auf die ehrfürchtige Art, die das Gericht erwartet.

„Man könnte sagen, dass man im Grunde immer ein bisschen schuld ist.“

— Albert Camus, Der Fremde

Das Verfahren gegen Meursault ist, in Camus‘ existentialistischem Sinne, ein absurdes Theater: Die Gesellschaft verhandelt nicht die Tat, sondern den Verstoß gegen ihr ureigenstes Bedürfnis, diese bzw. den Menschen dahinter, kausal einordnen zu können.

Arthur Flecks Prozess funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip – nur oberflächlich invertiert. Während Meursault zu wenig zeigt, zeigt Arthur zu viel: zu viel Lachen, zu viel Schmerz, zu viel Sehnsucht nach Anerkennung. Beide Male steht weniger die juristische Wahrheit infrage, sondern die Deutungshoheit über einen Menschen, der sich dem gängigen Rahmen entzieht.

Hierin können wir den gesellschaftlichen Wunsch erkennen, das Böse zu externalisieren – es aus der eigenen Mitte herauszulösen und in einem klar abgegrenzten Anderen zu verorten. Nicht wir sind zu Gewalt fähig. Nicht unsere sozialen Verhältnisse erzeugen Gewalt unter Menschen. Es muss etwas Fremdes, Pathologisches im Täter sein, dass ihn von uns unterscheidet.

Der französische Philosoph Michel Foucault argumentiert in Wahnsinn und Gesellschaft (1961), wie die moderne Gesellschaft Vernunft und Unvernunft nicht nur deskriptiv unterscheidet, sondern aktiv produziert: Durch Institutionen, Diskurse, diagnostische Kategorien. Der „Irre“ ist keine naturgegebene Tatsache, sondern das Ergebnis einer Zuschreibung, die die Gesellschaft vor sich selbst schützt. Wer ins Arkham Asylum gesperrt wird, hört auf, ein Spiegel zu sein. Das Unbehagen, das er auslöste, ist mit ihm verschwunden – eingeschlossen, klassifiziert, für unzurechnungsfähig erklärt.

„Der Wahnsinn ist nicht eine natürliche Wahrheit, die in dunklen Winkeln der Menschennatur wartet, um entdeckt zu werden. Er ist das Ergebnis einer gewissen Wahrnehmungsweise.“

— Michel Foucault, Wahnsinn und Gesellschaft  

Genau diese Logik entfaltet sich im Gerichtssaal von Folie à Deux. Gotham hat ein Problem: Es hat einen Menschen hervorgebracht, der tötet – und der dafür von Teilen der Bevölkerung gefeiert wird. Das eigentlich Verstörende ist nicht Arthur allein, sondern was er sichtbar macht: die Verachtung, die Armut, die Unsichtbarkeit, die ihn erzeugt haben. Um das nicht verhandeln zu müssen, braucht die Gesellschaft eine andere Geschichte. Sie braucht eine psychiatrischen Diagnose. Die Dissoziative Identitätsstörung, so wie sie im Prozess eingesetzt wird, ist nicht nur eine medizinische Hypothese – sie ist ein gesellschaftliches Entlastungsangebot. Wenn der Joker eine eigenständige, kranke Persönlichkeit ist, die Arthur zeitweise überwältigt, dann ist das Böse klar lokalisiert: in einem pathologischen Anteil, der von der normalen Persönlichkeit abgespalten ist. Arthur selbst – der depressive, lachende, verletzte Mensch – wäre dann unschuldig und damit für das Selbstverständlich der Gesamtgesellschaft weniger verstörend.

Arthur durchkreuzt diese Strategie mit einer Geste, die so einfach wie radikal ist: Er sagt, dass er der Joker ist. Nicht als Geständnis einer Krankheit, sondern als Behauptung seiner Identität. Damit verweigert er der Gesellschaft genau das, was sie von ihm braucht: den Fremdkörper, den man herausoperieren und hinter sich lassen kann. Was bleibt, ist wesentlich unbequemer – ein Mensch, der unter bestimmten Bedingungen zu bestimmten Dingen fähig war. Ein Spiegel, in den niemand blicken möchte. Somit ist die Diagnose Dissoziative Identitätsstörung (in der ICD-10 noch als Multiple Persönlichkeitsstörung unter F44.81 klassifiziert) v.a. eine juristische Strategie, die zudem ein unbewusstes soziologisches Bedürfnis bedient. Ob sie als klinisch-psychiatrische Diagnose Arthurs überzeugend ist, lässt sich nicht abschließend beurteilen, zumal das Krankheitsbild, die Symptomatik und deren Behandlung selbst in der Fachwelt nach wie vor diskuttiert werden (Übersichtsarbeit im aktuellen Deutschen Ärzteblatt). Für eine ausführliche Analyse von Arthurs Symptomatik sei auch auf den Gastbeitrag zum ersten Film Joker auf diesem Blog verwiesen. 

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Philosophische Lebenshilfe – Die antike Philosophie der Stoa in der modernen Psychotherapie

„Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir über die Dinge haben.“

Epiktet, Handbüchlein der Moral, 5

Die antike griechisch-römische Philosophie der Stoa ist seit einiger Zeit ein Lieblingsthema von Selbstoptimierungs- und Männlichkeitsinfluencern, was bedauerlicherweise zu groben Vereinfachungen und Verzerrung führt. Tatsächlich ging es der Stoa – erhalten sind uns vor allem Texte und Reden der römischen Stoiker Epiktet, Mark Aurel (Filmfans bekannt als eilig versterbender Nebencharakter in Gladiator, 2000), Musonius Rufus und Seneca (über den es ein etwas schräges gleichnamiges Biopic von 2023 gibt), der sogenannten neueren Stoa – nie um emotionale Kälte, Empathielosigkeit und Überlegenheit durch Stärke und Härte.

Vielmehr ist die Stoa ein psychologisch tief intuitive Philosophie des gelingenden Lebens, das sich auf differenzierte und sehr praxisbezogene Weise mit der Regulation von Emotionen, der Bewältigung von Leid und der Entwicklung innerer Freiheit befasst. Ihr zentrales Anliegen war nicht die Unterdrückung von Gefühlen, sondern deren angemessene Verarbeitung und Einordnung.

Ein zentrales Prinzip ist hierbei die Unterscheidung zwischen dem, was in unserer Macht steht (unsere Urteile, Bewertungen, Handlungen), und dem, was nicht in unserer Macht steht (äußere Ereignisse, das Verhalten anderer, Krankheit, Tod). Nicht aus ignoranter Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben um uns herum, sondern als Strategie der Konzentration unserer Aufmerksamkeit und Selbstwirksamkeit auf das Beeinflussbare – ein Gedanke, der in der modernen Psychologie und Psychotherapie eine zentrale Rolle spielt.

Kognitive Umstrukturierung: Stoische Elemente in der Kognitiven Verhaltenstherapie

So beruht beispielsweise das berühmte ABC-Modell der Kognitive Verhaltenstherapie (KVT), einer der größten und wichtigsten Psychotherapieschulen überhaupt, auf zentralen Prinzipien der Stoa:

  • A (Activating Event): Ein auslösendes Ereignis tritt ein
  • B (Belief): Überzeugungen und Bewertungen über das Ereignis werden aktiviert
  • C (Consequence): Diese lösen Gefühle, physiologische Veränderungen und Verhaltensweisen als Konsequenz aus

Die Stoiker hatten bereits erkannt, dass zwischen A und C immer B steht, es also von unseren (oft unbewussten) Vorannahmen und subjektiven Bewertungen des auslösenden Ereignisses abhängt, welche Reaktion wir erleben. Der stoische Grundsatz „Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir über die Dinge haben“ bedeutet also, dass unser Glück/unsere psychische Gesundheit nicht alleine von äußeren Umständen, sondern maßgeblich auch von unseren inneren Überzeugungen, sog. „Glaubenssätzen“ abhängen, an welchen wir, anders als an Emotionen oder physiologischen Reaktionen (wie z.B. Schwitzen, Herzrasen, Schwindel etc.) direkt ansetzen und diese verändern können.

Beispiel: Auf eine schlechte Note kann unwillkürlich die Bewertung erfolgen „Das war zu erwarten, da ich einfach dümmer bin, als die meisten anderen und daher sowieso immer schlechter sein werde.“ – ein invalidierender und potenziell depressiogener Gedanke! Sicherlich nicht weniger adäquat wäre aber auch die Bewertung: „Ich habe es trotz meiner Mühe noch nicht zu meiner Zufriedenheit geschafft, mich auf den Prüfungsstoff vorzubereiten. Ich könnte meine Fehler analysieren und meine Lernstrategie für die nächste Prüfung anpassen – gegebenfalls mit Hilfe oder Beratung.“ Die emotionale Konsequenz wird deutlich weniger von Angst und Scham, dafür eher von Selbstwirksamkeitserwartung und Motivation geprägt sein. Man nennt diesen Prozess in der kognitiven Verhaltenstherapie kognitive Umstrukturierung. In den Aufzeichnungen des römischen Kaisers und Stoikers Mark Aurel seinen Selbstbetrachtungen, wendet er diese Technik immer wieder auf verschiedene Bereiche seines eigenen Lebens und Denkens an.

Radikale Akzeptanz: Stoische Elemente in der Dialektisch-Behavioralen Therapie

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) von Marsha Linehan, ursprünglich entwickelt für die Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung, integriert explizit neben Konzepten aus dem (der Stoa ohnehin teilweise sehr ähnlichen) Zen-Buddhismus, auch Elemente stoischen Denkens.

Das Kernkonzept der DBT, die Radikale Akzeptanz, lehrt, die Realität vollständig anzunehmen, wie sie ist – nicht weil sie gut ist, sondern weil sie nunmal faktisch so ist. Dieser Moment der Akzeptanz beendet den erschöpfenden inneren Widerstand gegen unveränderbare Tatsachen und schafft Raum für konstruktives Handeln. Es geht es hier also nicht um passive Resignation als Zielzustand, sondern um die Beendigung eines sinnlosen inneren Ankämpfens gegen das, was ohnehin geschehen ist oder unvermeidlich ist, weil diese Nicht-Akzeptanz (das „Es darf nicht wahr sein!“) zusätzliches, vermeidbares Leid erzeugt, das in der DBT, entlehnt aus dem Buddhismus, als sekundäres Leid bezeichnet wird.

Die stoische Unterscheidung zwischen dem, was in unserer Macht steht, und dem, was nicht in unserer Macht steht, findet sich in der DBT als Technik der Distress-Toleranz: Wenn eine Situation momentan nicht verändert werden kann, liegt die Aufgabe darin, sie auszuhalten, ohne sie durch impulsive oder selbstschädigende Gedanken oder Handlungen zu verschlimmern.

Die Fähigkeit zur bewussten Gedankenbeobachtung und Emotionsregulation, ist eine zentrale therapeutische Kompetenz, welche die Stoa als Prosoche (Achtsamkeit gegenüber eigenen Gedanken, Urteilen und Handlungen im gegenwärtigen Moment) lehrt:

„Wenn du deine Aufmerksamkeit auch nur für kurze Zeit nachlässt, bilde dir nicht ein, dass du sie wiedererlangen kannst, wann immer du willst, sondern bedenke dies wohl: Dein Fehler von heute wird deine Angelegenheiten bei künftigen Gelegenheiten notwendigerweise in einen schlechteren Zustand versetzen.“

Epiktet, Gespräche, 4.12

Mitgefühl und Menschlichkeit: Stoische Elemente in der Compassion Focused Therapy

Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Fehlinterpretation der Stoa als plumpe Härte-Philosophie, wenn man ihre Lehre vom Kosmopolitismus und der universellen Gemeinschaft aller Menschen (Oikeiosis) betrachtet: Nach der Stoa sind alle Menschen Teil einer gemeinsamen Menschheit, verbunden durch dieselbe Vernunft.

Mark Aurel, zu seiner Zeit immerhin der mächtigste Mensch der Welt, formuliert dies wiederholt in den Selbstbetrachtungen:

„ebensowenig kann ich dem, der mir verwandt ist, zürnen oder ihn hassen; denn wir sind zur gemeinschaftlicher Wirksamkeit geschaffen […] Darum ist die Feindschaft der Menschen untereinander wider die Natur.“

Mark Aurel, Selbstbetrachtungen, 2.1

„Ein Zweig von seinem Nachbarzweige losgehauen, ist damit nothwendig zugleich auch vom ganzen Baume abgehauen. So auch der Mensch: hat er sich nur mit einem Einzigen zerspalten, so ist er von der ganzen menschlichen Gesellschaft abgefallen. Den Zweig nun haut ein Anderer ab, der Mensch aber trennt durch seinen Hass und seine Feindschaft sich selbst von seinem Nächsten, freilich, ohne es zu wissen, dass er sich damit auch vom Ganzen losgerissen.“

Mark Aurel, Selbstbetrachtungen, 11.7

Ebenso basiert die sehr erfolgreiche Compassion Focused Therapy (Mitgefühlsbasierte Therapie, CFT) auf der evolutionspsychologischen Erkenntnis, dass unser Gehirn über drei verschiedene Emotionsregulationssysteme verfügt: das Bedrohungssystem, das Belohnungssystem und das Beruhigungssystem, das durch Bindung und Fürsorge aktiviert wird. Mit Traumata und psychischen Belastungen gehen oft ein überaktiviertes Bedrohungssystem und ein gehemmtes Beruhigungssystem einher.

Die therapeutische Arbeit besteht folglich darin, Mitgefühl mit sich selbst und anderen zu kultivieren und so das Beruhigungssystem wieder verstärkt zu aktivieren.

Der innere sichere Ort: Stoische Elemente in der Psychodynamisch Imaginativen Traumatherapie (PITT)

Eine der bekanntesten Passagen aus Mark Aurels Selbstbetrachtungen lautet:

„Die Menschen suchen sich Rückzugsorte: Landhäuser, Meeresküsten, Berge. Auch du pflegst dich nach solchen Orten zu sehnen. Aber das alles ist ganz und gar gewöhnlich, da es dir doch jederzeit möglich ist, dich in dich selbst zurückzuziehen. Nirgends nämlich zieht der Mensch sich friedvoller und störungsfreier zurück als in seine eigene Seele, zumal wenn er solche Dinge in seinem Inneren hat, über die er sich beugt und sogleich in völliger Ruhe ist.“

Mark Aurel, Selbstbetrachtungen, 4.3

Diese Beschreibung ähnelt der Übung „innerer sicherer Ort“ aus der Psychodynamisch Imaginativen Traumatherapie (PITT) von Luise Reddemann, die in dieser eine zentrale Stabilisierungstechnik zum Schutz vor bzw. dem Umgang mit überflutenden traumatischen Erinnerungen und Gefühlen darstellt. Patient*innen werden angeleitet, sich mental einen Ort zu erschaffen, an den sie sich aktiv imaginativ zurückziehen können, um das Nervensystem zu beruhigen und somit wieder auf verstärkte Ressourcen zur Selbstregulation und emotionalen Stabilisierung zugreifen zu können.

Dementsprechend reflektiert auch Mark Aurel diese Technik nicht als Eskapismus, sondern als psychologische Methode der Emotionsregulation. Der innere Rückzugsort ist nicht die Flucht vor der Welt, sondern die Rückkehr zu den eigenen Werten und der eigenen Urteilskraft – dem einzigen Ort, der tatsächlich unserer Kontrolle untersteht. Die therapeutische Wirksamkeit dieser Technik liegt darin, dass sie Selbstwirksamkeit, auch und gerade im Angesicht von zuvor als unaushaltbar und unbewältigbar erlebten Affekten ermöglicht. Somit greift sie letztlich auf das zentrale stoische Prinzip der Trennung zwischen äußeren Bedingungen, unmittelbaren/impulshaften Affekten und bewusster Reflexion und Regulation des eigenen Fühlens, Denkens und Handelns zurück.

Psychologische Flexibilität: Stoische Elemente in der Akzeptanz- und Commitment-Therapie

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT), entwickelt von Steven Hayes in den 1990er Jahren, gilt als eine der innovativsten Entwicklungen der „dritten Welle“ der kognitiven Verhaltenstherapie.

Das zentrale Konzept der ACT ist die Unterscheidung zwischen veränderbaren und unveränderbaren Aspekten unseres Erlebens – ebenso eines der wichtigsten Grundprinzipien der Stoa!

„Einige Dinge stehen in unserer Macht, andere hingegen nicht. In unserer Macht sind Urteil, Bestrebung, Begier und Abneigung, mit einem Wort alles das, was Produkt unseres Willens ist. Nicht in unserer Macht sind unser Leib, Besitz, Ehre, Amt, und alles was nicht unser Werk ist. […]

Deshalb bedenke, dass du Hinderung erfahren, in Trauer und Unruhe geraten, ja sogar Götter und Menschen anklagen wirst, wenn du das von Natur Dienstbare für frei und das Fremde für dein eigen ansiehst. Hältst du dagegen für dein Eigentum nur, was wirklich dein eigen ist, und betrachtest das Fremde als fremd, so wird dich niemand jemals zwingen oder hindern; du wirst niemanden anklagen oder beschimpfen, und nicht das geringste mit Widerwillen tun; niemand kann dir schaden; du wirst keinen Feind haben, und nichts, was dir nachteilig sein könnte, wird dir begegnen.“

Epiktet, Handbüchlein der Moral, 1

Die ACT zielt darauf ab, psychische Energie nicht mehr im Widerstand gegen oder der Verzweiflung an unveränderbaren inneren (spontanen Gefühlen, Impulsen, Gedanken) und äußeren Phänomenen zu verschwenden, sondern sie stattdessen in aktiv bewusst gewähltes, werteorientiertes (Commitment) Handeln zu investieren. Diese Fähigkeit, auch unangenehme innere Erlebnisse zu akzeptieren, wenn sie im Dienste werteorientierten Handelns auftreten, wird in der ACT als psychologische Flexibilität bezeichnet.

Die Stoa unterscheidet zwischen Phantasiai (erste Eindrücke, die unwillkürlich auftreten) und Synkatathesis (der bewussten Zustimmung zu diesen Eindrücken). In der ACT finden wir diese Konzepte als kognitive Defusion wieder: Die Fähigkeit, eigene Gedanken als wertneutrale mentale Ereignisse zu beobachten (Defusion), anstatt sich mit ihnen zu identifizieren oder von ihnen dominieren zu lassen (Fusion).

Hierzu noch einmal Epiktet:

„Bemühe dich daher, jedem unangenehmen Gedanken damit zu begegnen, daß du sagst: »Du bist nicht das, was du zu sein scheinst (etwas Reelles), sondern bloß ein Gedankending (eine Einbildung).« Alsdann prüfe nach den von dir angenommenen Grundregeln, besonders nach der ersten, ob es zu den in unserer Macht stehenden Dingen gehöre oder nicht. Gehört es zu den nicht in unserer Macht stehenden, so halte dies Wort bereit: »Es berührt mich nicht.«“

Epiktet, Handbüchlein der Moral, 1

Weitere stoische Techniken für das eigene gelingende Leben

  • Negative Visualisierung (Praemeditatio Malorum): Die Stoiker empfahlen, sich regelmäßig vorzustellen, dass Besitz verloren geht, Pläne scheitern, Mitmenschen sich unangenehm oder ungerecht verhalten, ja, sogar, dass geliebte Menschen sterben. Hierdurch können wir emotionale Resilienz trainieren. Dabei geht es nicht darum, in ängstlichem Grübeln zu verweilen, sondern sich von dem eigenen, bewusst an den eigenen Zielen und Werten orientierten Lebensweg, nicht durch Widrigkeiten, welche außerhalb unserer Kontrolle liegen, abbringen zu lassen. Wer sich vorgestellt hat, wie er mit Verlust umgehen würde, ist besser vorbereitet und weniger überwältigt, wenn dieser eintritt.
  • Stoiker wie Seneca und Mark Aurel empfahlen und praktizierten konsequente tägliche Selbstreflexion. Insbesondere Mark Aurels berühmte Selbstbetrachtungen sind ein frühes Zeugnis selbstreflexiven Journalings. Dieses dient der Verarbeitung erlebter Emotionen sowie der Bewusstmachung eigener Denk- und Verhaltensmuster und ist erwiesenermaßen eine psychisch sehr konstruktive und gesundheitsförderliche Praxis (s. z.B. Pennebaker et al., 1986, 1988)
  • Perspektivenwechsel: Die Stoiker empfahlen (sich auf Platon berufend), die eigene Existenz und deren aktuelle Umstände wie imaginär von oben zu betrachten, als würde man von einem hohen Berg oder aus dem Weltall auf die eigene Situation schauen. Diese Technik der kognitiven Distanzierung können wir nutzen, um übermäßige emotionale Verstrickung in ein uns aktuell belastendes persönliches Geschehen zu reduzieren und zu innerer Ruhe und damit Reflexions- und Handlungsfähigkeit zurückzufinden. Wie dramatisch werde ich dieses Problem/diese Sorge/diese Situation in einer Stunde/einem Jahr, oder am Ende meines Lebens, empfinden?

Die Stoa ist bis heute eine der einflussreichsten und pragmatischsten Philosophien des guten Lebens, wie die vielfachen Parallelen zu modernen, wissenschaftlich evidenzbasierten Psychotherapieverfahren eindrücklich unterstreichen. Selbstreflexion, Mäßigung und Menschlichkeit sind dabei zentrale Werte, während von Ich-Durchsetzung, emotionaler Kälte und äußerlicher Selbstoptimierung keine Rede ist.

Und doch kann uns die Stoa – ebenso wie die Psychotherapie – zu innerer Stärke, Klarheit und Gelassenheit verhelfen:

„Du kannst unüberwindlich sein, wenn du keinen Kampf unternimmst, in welchem du nicht siegen kannst. Hüte dich, daß du nicht, wenn du einen sehr geehrten, oder sehr mächtigen, oder sonst in hohem Ansehen stehenden Mann siehst, von deiner Vorstellung hingerissen, ihn (mit Neid) für glücklich schätzest. Da alle wahren Güter in Dingen bestehen, die in unserer Macht sind, so haben Neid und Eifersucht keinen Sinn. Du willst doch nicht Feldherr, nicht Magistrat, nicht Konsul sein, sondern frei. Der Weg zur Freiheit aber ist Verachtung aller Dinge, die nicht in unserer Macht stehen.“

Epiktet, Handbüchlein der Moral, 19

 

Literatur

  • Epiktet (um 100 n. Chr.). Handbüchlein der Moral
  • Mark Aurel (um 170 n. Chr.). Selbstbetrachtungen
  • Seneca (um 50 n. Chr.). Briefe an Lucilius
  • Beck, A. T. (1976). Cognitive Therapy and the Emotional Disorders. New York: International Universities Press.
  • Gilbert, P. (2009). The Compassionate Mind: A New Approach to Life’s Challenges. London: Constable.
  • Hayes, S. C., Strosahl, K. D., & Wilson, K. G. (1999). Acceptance and Commitment Therapy: An Experiential Approach to Behavior Change. New York: Guilford Press.
  • Linehan, M. M. (1993). Cognitive-Behavioral Treatment of Borderline Personality Disorder. New York: Guilford Press.
  • Pennebaker, J. W., & Beall, S. K. (1986). Confronting a traumatic event: Toward an understanding of inhibition and disease. Journal of Abnormal Psychology, 95(3), 274–281.
  • Pennebaker, J. W., Kiecolt-Glaser, J. K., & Glaser, R. (1988). Disclosure of traumas and immune function: Health implications for psychotherapy. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 56(2), 239–245.
  • Reddemann, L. (2021). Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie – PITT. Ein Mitgefühls- und Ressourcen-orientierter Ansatz in der Psychotraumatologie. Stuttgart: Klett-Cotta. 
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1883: Ein Teufel namens Schmerz

Hier draußen wendest du dich dem Schmerz zu, wenn er dich zerreißt, und du lässt ihn. Und wenn du das tust, wird es dem Teufel langweilig. Er sucht sich eine andere Seele, um sie zu fressen. Und du darfst wieder leben.“
– Elsa, 1883, S1E6 (Dem Teufel wird langweilig)
 
Dieses Zitat von Elsa aus der großartigen Yellowstone-Prequelserie 1883, die erfreulicherweise nicht den brutalen Nihilismus ersterer teilt, drückt, in der Elsas Reflexionen eigenen Poesie, eine fundamentale psychologische Wahrheit aus. 
Wie bereits der Vater der modernen Psychotherapie, Sigmund Freud, postulierte und die moderne psychologische Forschung empirisch zeigen kann, erfolgt die Verarbeitung von Trauer und Schmerz und damit auch die Heilung von Traumatisierung, durch die bewusste Konfrontation mit den Gefühlen (Emotional Processing Theory, Foa & Kozak, 1986). Wenn wir uns dem Schmerz bewusst zuwenden, statt ihn zu vermeiden oder zu betäuben, wird die angst- und traumageprägte Gedächtnisstruktur aktiviert und neue Informationen, z.B. dass es jetzt sicher ist, oder, wie in Elsas Fall, dass die Welt, in Form der nordamerikanischen Prärie, auch nach dem Tod des über alles geliebten Menschen, weiterhin voller Schönheit und Abenteuer ist, können, einhergehend mir positiveren Emotionen, integriert werden. 
Der Langeweile des Teufels entsteht durch das psychologische Phänomen der Habituation (Gewöhnung) – die emotionale Intensität nimmt ab, wenn wir aushalten, was wir fürchten, ohne in Vermeidungsmuster zu verfallen. Die Vermeidung – der Versuch, den Teufel fernzuhalten – füttert ihn beständig, indem sie die Heilung des primären Schmerzes verhindert. Das bewusste Hinschauen und Fühlen, nimmt dem Teufel seinen Schrecken und lässt ihn nach und nach verhungern.
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Meine Top 3 Serien 2024

Zum Ende des Jahres kommen hier meine persönlichen Top 3 Serien aus 2024

3. The Bear – King of the Kitchen (Disney+)

The Bear – Kind of the Kitchen ist kein leichter Genuss, sondern schwere, gehaltvolle Kost. Nicht nur auf der Inhaltsebene erzählt die Serie von traumatisierten und traumatisierenden Familienbeziehungen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Auch „Look an Feel“ der Serie selbst, sind geprägt von Gefühlen, Erlebens- und Verhaltensweisen, die charakteristisch sind für Traumafolgestörungen, insbesondere sog. Entwicklungstraumata (also solche, die eher nicht durch ein katastrophal einschneidendes Ereignis, wie z.B. einen Verkehrsunfall oder eine Naturkatastrophe, sondern durch anhaltende belastende Bedingungen in der Kindheit, wie instabile, aggressive oder abwesende Bezugspersonen). Die Atmosphäre ist geprägt durch das ständige Erleben von Anspannung, Druck, Angst etwas falsch zu machen/zu versagen. Nicht selten entlädt sich diese Anspannung in impulsiver Aggression gegen andere oder sich selbst, was weitere Belastungen und schlimmstenfalls Traumata verursacht. Hauptcharakter Carmen (gespielt von dem von mir bereits als Lip in Shameless verehrten Jeremy Allen White) erlebt zudem noch regelmäßig Intrusionen (quälende Erinnerungen und innere Stimmen) als Folge seiner traumatischen Erlebnisse in einer Lehrküche. In der Psychotraumatologie nennt man den Zustand eines chronisch übererregten Nervensystems Hyperarousal (Wikipedia): Das Gehirn, welches in der Vergangenheit die Erfahrung immer wiederkehrender Bedrohung/Verletzung gemacht hat, bleibt permanent angespannt, um auf mögliche erneute Bedrohungen schnell mit Kampf- oder Fluchtverhalten reagieren zu können. Allerdings führt dies auf Dauer mit hoher Wahrscheinlichkeit zu diversen negativen Folgesymptomen, wie Nervosität/Hektik/Fehlern, erhöhter Schreckhaftigkeit und Kränkbarkeit, zwischenmenschlicher Aggressivität, Erschöpfung/Schlafstörungen/Burn-Out, kompensatorischem Substanzkonsum und am Ende gar Suizidalität. In The Bear werden uns diese tragischen Teufelskreise, das Leid das sie für alle Beteiligten bedeuten und die Anstrengung, die es bedarf, sich daraus zu lösen, nicht nur erzählt, sondern wir können sie regelrecht mitempfinden. Nicht wirklich ein Vergnügen und sicher nicht zu empfehlen für Menschen, die selbst komplex traumatisiert oder anderweitig akut psychisch belastet sind – aber ansonsten fesselndes, lehrreiches und faszinierendes Fernsehen.

2. Para – Wir sind King (Amazon prime)

Im Berlin-Universum des damals völlig zurecht gehypten deutschen Gangster-Epos 4 Blocks, spielt die Spin-Off-Serie Para – Wir sind King, bei der diesmal nicht starke Männer, sondern vier nicht minder starke junge Frauen im Mittelpunkt stehen. Diese haben mit allerhand gesellschaftlichen Benachteiligungen und Vorurteilen zu tun: Frau-Sein, Armut, Migrationshintergrund. Die Serie ist mit den vier großartigen Hauptdarstellerinnen, aber auch einer Vielzahl faszinierender Nebenrollen, erstklassig besetzt und schafft es so, überzeugend nicht nur die Lebensumstände, sondern auch die Gefühlswelt der Protagonistinnen zu erzählen. Dabei wird besonders deutlich, wie sehr das normabweichende und teils strafbare Verhalten der Vier, immer wieder aus dem Versuch entsteht, mit den materiellen, sozialen und emotionalen Folgen der bereits zuvor erfolgten Diskriminierung, Kränkung, Benachteiligung und Verletzung umzugehen, trotz diesen zu überleben. Hier zeigt sich uns der sozialpsychologische Etikettierungsansatz (bekannter als labeling approach, Wikipedia), nach dem normabweichendes, z.B. kriminelles, Verhalten eine Reaktion auf entsprechende Zuschreibungen als außerhalb bzw. unterhalb der Norm stehend sein kann. Als die Protagonistin Fanta zum Beispiel aggressiv auf die wiederholten subtil rassistischen Äußerungen ihres Lehrers reagiert, der sie aufgrund ihrer Hautfarbe als weniger intelligent und leistungsmotiviert vorverurteilt, scheint sich in ihrer Reaktion genau dieses Vorurteil zu bestätigen. Tatsächlich aber ist ihr Ausraster und der daraufhin fast folgende Schulabbruch nur richtig zu verstehen, wenn man die Belastungen kennt, denen Fanta zuvor durch den Lehrer ausgesetzt war. Gleiches gilt für die kriminellen Aktionen, welche die vier Mädchen immer wieder durchziehen müssen, um Para zu machen – Geld für sich, ihre Zukunft, ihre Familien aufzutreiben, in einer Gesellschaft, die ihnen von vornherein keine faire Chance gibt. Para – Wir sind King ist harter Stoff und konfrontiert die privilegierteren unter den Zusehenden mit der Nicht-Selbstverständlichkeit gesellschaftlicher Akzeptanz, materieller Sicherheit und unantastbarer Menschenwürde. Dabei ist die Serie aber auch spannend, witzig, elegant und lebendig – ein echtes Vergnügen.

1. Cobra Kai (Netflix)

Der Dauer-Fanliebling aller Kinder der 80er und 90er ging 2024 in die finale sechste Staffel (unnötigerweise auf drei Teile verteilt). Obwohl das Ganze insgesamt natürlich spürbar in die Länge gezogen wird und sich damit die immer selben Narrative wiederholen, ist gerade in der sechsten Staffel auch wieder alles dabei, was uns trotzdem begeistert dranbleien lässt: Action, Humor, Selbstreferenzen und 80er-Nostalgie. Über Cobra Kai habe ich schonmal hier auf dem Blog geschrieben und im Frühjahr 2025 – passend zur Veröffentlichung des letzten Teils der letzten Staffel – erscheint in einer Zeitschrift ein längerer Text von mir zum Thema, der dann auch hier verlinkt werden wird. In diesem Sinne: Cobra Kai Never Dies!

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Gastbeitrag: Shameless – Kinder suchtkranker Eltern

Auf ihrem Blog 28years.de schreibt Psychologin Alina über (erwachsene) Kinder suchtkranker Eltern. Für Charakterneurosen nimmt sie die Gallaghers aus der Kultserie Shameless unter die Lupe. 

Die US-amerikanische Fernsehserie Shameless zeigt auf eindringliche Weise die zerstörerischen Auswirkungen von Frank Gallaghers Alkoholabhängigkeit. Diese betrifft nicht nur ihn selbst, sondern prägt auch das Leben seiner gesamten Familie.

Jedes Geschwisterkind entwickelt spezifische Bewältigungsstrategien. Einige davon spiegeln typische Verhaltensweisen wider, die oftmals in der Literatur und Forschung über Kinder aus alkoholkranken Familien beschrieben werden.

Fiona Gallagher: Die Familienheldin

Fiona Gallagher ist die älteste Tochter des Gallagher-Clans. Als ihre Mutter Monica die Familie verlässt, als Fiona 16 Jahre alt ist, sieht sie sich gezwungen, die Hauptverantwortung für ihr Zuhause zu übernehmen.

Sie kümmert sich um ihre fünf jüngeren Geschwister und versucht, den durch Franks Alkoholabhängigkeit verursachten Zusammenbruch der Familie abzufedern. Fiona wird zur Ersatzmutter, Versorgerin und zentralen Stütze ihrer Geschwister – eine Rolle, die sie mit bemerkenswerter Entschlossenheit ausfüllt, auch wenn dies bedeutet, ihre eigenen Bedürfnisse und Träume zu opfern.

Ihre Geschwister, und sogar Frank selbst, wenden sich immer wieder an Fiona, wenn sie in Schwierigkeiten stecken. Um die finanziellen Lücken zu schließen, die Franks Untätigkeit und Verantwortungslosigkeit hinterlassen, nimmt Fiona die verschiedensten, oft erniedrigenden Jobs an. Sie übernimmt nicht nur die Haushaltsführung, sondern wird auch zur moralischen und emotionalen Stütze ihrer Familie.

Fionas Rolle innerhalb der Gallagher-Familie entspricht genau dem, was in der Literatur über suchtbelastete Familien als die Rolle des „Familienhelden“ oder der „Verantwortungsbewussten“ beschrieben wird (Wegscheider, 1988; Black, 1988). Der Familienheld übernimmt in dysfunktionalen Familien häufig die Aufgaben und Pflichten, die eigentlich den Eltern zukommen, und versucht, das Leben der Familie so stabil wie möglich zu halten.

Die Tatsache, dass diese Rolle oft dem ältesten Kind zufällt, liegt vor allem daran, dass es aufgrund seines Alters am ehesten der Herausforderung gewachsen ist. Häufig sind sie zudem weiblich, da Frauen und Mädchen durch ihre Sozialisierung stärker auf Care-Arbeit und Verantwortungsübernahme geprägt werden.

Fiona ist also ein Musterbeispiel für das Helden-Kind: Sie hält den Haushalt zusammen und übernimmt die emotionale und praktische Versorgung der Familie. In ihrer Rolle versucht sie zudem, sowohl Frank als auch Monica zu ersetzen, indem sie Ordnung und Stabilität in das ansonsten chaotische Familienleben bringt.

Ein zentraler Aspekt dieser Rolle ist die sogenannte Parentifizierung, eine Rollenumkehr zwischen Eltern und Kind. Fiona wird quasi zur Mutter ihrer jüngeren Geschwister, während Frank für sein Verhalten nicht einmal annähernd Verantwortung übernimmt. Diese Belastung zwingt Fiona dazu, schnell erwachsen zu werden, und lässt ihr wenig Raum für eigene Träume oder ihre persönliche Entwicklung.

Wie von Sharon Wegscheider und Claudia Black beschrieben, ist die Rolle des Familienhelden oft mit einem hohen Maß an Lob und Anerkennung verbunden, was diese Kinder motiviert, noch mehr zu leisten. Fiona erfährt diese Bestätigung indirekt vor allem durch ihre Geschwister. Doch diese Anerkennung hat ihren Preis.

Die Belastung, die mit dieser Rolle einhergeht, führt häufig zu einer Überforderung, der Kinder emotional nicht gewachsen sind. Dies zeigt sich auch bei Fiona: Obwohl sie nach außen hin stark und entschlossen wirkt, zehren die ständigen Anforderungen und der Druck, alles zusammenzuhalten, an ihr und entladen sich manchmal schlagartig, zum Beispiel in einem Substanzmissbrauch.

Dennoch bleibt Fiona ein Symbol für Resilienz und Überlebenswillen. Trotz ihrer schwierigen Ausgangslage gelingt es ihr in späteren Staffeln, ihre alte Rolle abzulegen und ihre eigene Zukunft erfolgreich zu gestalten.

Lip Gallagher: In Franks Fußstapfen

Phillip Ronan „Lip“ Gallagher ist das zweitälteste Kind der Gallagher Familie. In der Serie sticht Lip vor allem durch seine Intelligenz hervor. Mit einem GPA von 4.6 ist er das begabteste Familienmitglied.

Lips außergewöhnliche Intelligenz könnte ihm den Weg aus seinem sozialen Milieu ebnen, doch statt sein Potenzial voll auszuschöpfen, sabotiert er sich selbst immer wieder – sei es durch promiskuitive Beziehungen oder seinen exzessiven Alkoholkonsum.

So wird Lip bereits zu Beginn der Serie oft beim Rauchen von Zigaretten und Marihuana gezeigt. Doch während seiner Zeit am College wird deutlich, dass er auch ein immer problematischeres Verhältnis zum Alkohol entwickelt.

Zu den ersten sichtbaren Folgen gehört der Verlust seiner Stelle in der Studentenvereinigung. Auch seinen Job als Teaching Assistant verliert er aufgrund seines Alkoholkonsums. Langfristig führt Lips destruktives Verhalten schließlich zum Collegeverweis.

Lips Trinkverhalten erfüllt mehrere Kriterien für eine Alkoholabhängigkeit gemäß der ICD-10 (F10.2):

  • Starkes Verlangen nach Alkohol: Sein Drang zu trinken ist so stark, dass er ihn nicht kontrollieren kann.
  • Kontrollverlust: Lip trinkt übermäßig und hat Schwierigkeiten, seine Konsummenge zu regulieren.
  • Fortgesetzter Konsum trotz negativer Konsequenzen: Trotz der gravierenden Auswirkungen auf seine akademische und berufliche Laufbahn setzt er seinen Alkoholmissbrauch fort.

Lips Probleme spiegeln ein typisches Muster wider, das häufig bei Kindern suchtkranker Eltern zu beobachten ist. Kinder aus alkoholbelasteten Familien stellen eine Hochrisikogruppe für Suchterkrankungen dar.

Studien zeigen, dass etwa ein Drittel dieser Kinder im Erwachsenenalter selbst stofflich abhängig wird, und sie haben ein 4-6-fach erhöhtes Risiko für Suchtprobleme im Vergleich zu Kindern aus nicht-suchtkranken Haushalten.

Die Ursachen hierfür sind sowohl genetisch als auch psychosozial:

  • Genetische Veranlagung: Alkoholismus ist vererbbar, und Kinder von Alkoholikern tragen eine biologische Anfälligkeit für Suchterkrankungen.
  • Chaotisches Umfeld: Suchtprobleme führen häufig zu Instabilität in der Familie, die Kinder extremem Stress aussetzt. Für Lip bedeutete dies, in einem Umfeld aufzuwachsen, das von Vernachlässigung und emotionaler und materieller Unsicherheit geprägt war.
  • Frühes Lernen problematischer Bewältigungsstrategien: Kinder wie Lip sehen früh, wie Eltern Alkohol als Mittel zur Stressbewältigung nutzen, und übernehmen diese Muster unbewusst.

Glücklicherweise entscheidet Lip trotz der Parallelen zu seinem Vater, dass er nicht denselben Weg einschlagen will. Nachdem er die verheerenden Folgen seines Alkoholmissbrauchs erlebt hat, sucht er sich schließlich Hilfe. Schließlich gelingt es ihm, sein Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken – wenngleich er nie wieder ein College besuchen wird.

Carl Gallagher: Das Problemkind

Carl Francis Hashish Gallagher ist das zweitjüngste Kind der Gallagher-Familie. Carl wird zu Serienbeginn als das „Problemkind“ der Familie eingeführt. Mit einer Vorliebe für Chaos, Gewalt und Gefahr zeigt er in den frühen Staffeln zahlreiche antisoziale Tendenzen: Er verstümmelt Spielzeug, quält Tiere und hat Schwierigkeiten, Regeln zu akzeptieren.

Im Verlauf der Serie taucht Carl immer tiefer in kriminelle Machenschaften ein. Er wird zum Drogenhändler, arbeitet für lokale Gangs und wird schließlich zu einer Jugendstrafe verurteilt.

Nach seiner Entlassung aus dem Jugendgefängnis nimmt sein antisoziales Verhalten weiter zu: Er verkauft Waffen und adoptiert einen Gangster-Lebensstil, der selbst seiner Familie zunehmend missfällt.

Wie im Beitrag Shameless: Frank & Carl festgestellt, weist Carls Verhalten auf eine Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (ICD-10: F90.1) hin, die ADHS-Symptome (Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität) mit normverletzendem Verhalten kombiniert. Zu den typischen Merkmalen gehören Wutausbrüche, unüberlegtes Handeln und das Brechen von Regeln – alles Verhaltensweisen, die Carl regelmäßig zeigt.

Studien zeigen, dass Kinder von alkoholkranken Eltern deutlich häufiger eine ADHS haben als Kinder aus unbelasteten Familien (Maher et al., 2023). Zusätzlich zeigen die Kinder eher sogenannte externalisierende Verhaltensweisen (Hussong et al, 2014; Eiden et al., 2007) – das bedeutet, sie reagieren auf inneren Stress und Unsicherheit mit aggressivem, impulsivem oder sozial störendem Verhalten.

Dieses Verhalten ist eine Art emotionaler Schutzmechanismus, der die Kinder kurzfristig durch den Abbau innerer Anspannung entlastet, aber langfristig zu gravierenden Problemen führen kann. So kanalisiert Carl seine Unsicherheiten und die Vernachlässigung durch seine Eltern in destruktive Handlungen, was ihn früh auf einen kriminellen Pfad führt.

Wie Fiona entspricht auch Carl damit einer Rolle, die in der Literatur über Kinder aus suchtbelasteten Familien beschrieben wird: die des „Schwarzen Schafs“ oder „Sündenbocks“ (Wegscheider, 1988; Black, 1988).

Während Fiona auf die familiäre Dysfunktion reagiert, indem sie die Verantwortung für Stabilität und Ordnung übernimmt, verinnerlicht Carl das Chaos der Familie und lebt es durch auffälliges, destruktives Verhalten aus. Durch sein provokatives Verhalten wird Carl zum sichtbaren Symptom der inneren Konflikte innerhalb der Familie.

Antisoziale Verhaltensweisen, wie sie Carl in seiner Jugend zeigt, halten bei Kindern alkoholkranker Eltern oftmals bis ins Erwachsenenalter an (Harter, 2000). Doch Carl gelingt es, den gefährlichen Pfad zu durchbrechen. Nach einem traumatischen Vorfall, der ihm die Konsequenzen seines kriminellen Lebensstils vor Augen führt, beginnt er, seine Zukunft neu zu überdenken.

Er entscheidet sich, eine Militärschule zu besuchen, wo er Disziplin und Struktur kennenlernt – etwas, das ihm in seiner Kindheit gefehlt hat. Diese Erfahrungen formen ihn zu einem gereiften jungen Mann, der schließlich den Weg zum Polizisten einschlägt – und dort die Fähigkeiten, die ihn einst in Schwierigkeiten brachten, nutzt, um Gutes zu bewirken.

Ingesamt zeigen die Geschichten der Gallagher-Kinder eindrucksvoll, wie sich die Schatten elterlicher Suchterkrankungen auf die nachfolgenden Generationen auswirken können. Doch trotz der Herausforderungen, die Fiona, Lip und Carl bewältigen müssen, sind sie auch ein Beispiel für Resilienz, Einfallsreichtum und die Kraft, sich selbst neu zu erfinden.

Jeder von ihnen geht seinen eigenen, oft steinigen Weg, doch sie alle beweisen, dass Veränderung möglich ist – sei es durch das Streben nach einem besseren Leben, den Mut, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, oder durch die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen. Shameless zeigt uns, dass selbst in den widrigsten Umständen die Chance auf Wachstum und eine bessere Zukunft besteht.

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Quellen für Fiona:

Caritas Augsburg. (o. D.). Rollenmuster. Abgerufen am 10. Januar 2025, von https://www.caritas-augsburg.de/hilfeberatung/suchtberatungbehandlungundkrankenhilfe/kiasu-projekt/rollenmuster/rollenmuster

BKK Bundesverband. (2007, Juli). Kindern von Suchtkranken Halt geben – durch Beratung und Begleitung: Leitfaden für Multiplikatoren. NACOA Deutschland. Abgerufen am 10. Januar 2025, von https://nacoa.de/sites/default/files/images/stories/pdfs/freundeskreise%20multiplikatorenleitfaden.pdf

Fandom. (o. D.). Fiona Gallagher (US) – Season 6. Abgerufen am 10. Januar 2025, von https://shameless.fandom.com/wiki/Fiona_Gallagher_(US)#Season_6

Quellen für Lip:

NACOA Deutschland. (o. D.). Fakten und Zahlen. Abgerufen am 10. Januar 2025, von https://nacoa.de/infos/fakten/zahlen

Fandom. (o. D.). Lip Gallagher (US). Abgerufen am 10. Januar 2025, von https://shameless.fandom.com/wiki/Lip_Gallagher_(US)

Quellen für Carl:

Hussong, A. M., Wirth, R. J., Edwards, M. C., Curran, P. J., Chassin, L. A., & Zucker, R. A. (2007). Externalizing symptoms among children of alcoholic parents: Entry points for an antisocial pathway to alcoholism. Journal of abnormal psychology116(3), 529–542. https://doi.org/10.1037/0021-843X.116.3.529

Eiden, R. D., Edwards, E. P., & Leonard, K. E. (2007). A conceptual model for the development of externalizing behavior problems among kindergarten children of alcoholic families: role of parenting and children’s self-regulation. Developmental psychology43(5), 1187–1201. https://doi.org/10.1037/0012-1649.43.5.1187

Maher, B.S., Bitsko, R.H., Claussen, A.H. et al. Systematic Review and Meta-analysis of the Relationship Between Exposure to Parental Substance Use and Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in Children. Prev Sci 25 (Suppl 2), 291–315 (2024). https://doi.org/10.1007/s11121-023-01605-2

Harter S. L. (2000). Psychosocial adjustment of adult children of alcoholics: a review of the recent empirical literature. Clinical psychology review20(3), 311–337. https://doi.org/10.1016/s0272-7358(98)00084-1
Fandom. (n.d.). Carl Gallagher (US). Abgerufen am 10. Januar 2025, von https://shameless.fandom.com/wiki/Carl_Gallagher_(US)
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Cool wie Bogart – Was wir von Rauchenden über Stressmanagement lernen können

Als ich in den späten 1990er Jahren zum ersten Mal den Filmklassiker Casablanca sah, war ich begeistert von Humphrey Bogarts Hauptrolle, dem hartgesottenen, zynischen, mit allen Wassern gewaschenen Rick Blaine. Er war der Inbegriff von cool. Zu diesem Habitus, den Bogart in einer Vielzahl weiterer Werke des film noir der 1940er Jahre verkörperte, gehörte neben dem schief sitzenden Fedora auch die ebenfalls lässig schief im Mundwinkel hängende Zigarette. Die Jüngeren mögen es nicht glauben, aber im 20. Jahrhundert galt Rauchen als sehr cool. Heute erfreulicherweise nicht mehr. Rauchten 2001 noch 28% der Jugendlichen in Deutschland, waren es zwanzig Jahre später nur noch 6% (Quelle). Nikotinabhängigkeit (ICD-10: F17.2) ist eine Suchterkrankung mit erheblichem Gesundheitsrisiko.

Während Nikotin als Volksdroge also auf dem Rückgang ist, haben wir es heute bekanntermaßen mit einer anderen Epidemie zu tun: Stress. Die Mehrheit der Deutschen fühlt sich gestresst und chronischer Stress ist mit Depressivität, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und einer Vielzahl weiterer Gesundheitsfolgen assoziiert (Quelle).

Oft sind systemische und gesellschaftliche Faktoren für das stressvolle Leben verantwortlich. Fast könnte man sagen, Stress ist das Rauchen des 21. Jahrhunderts: Alle wissen, dass er ungesund ist und dennoch haftet ihm eine irrationale Aura von Coolness an: Wer hustlet, ein Erfolgs-Mindset hat, High-Performer ist oder Follower maximiert, scheint irgendwas richtig zu machen.

Was den persönlichen Umgang mit stressigen Umständen und psychischem Stresserleben angeht sind die wirksamen Gegenmaßnahmen (Abgrenzung, Achtsamkeit, Entspannung) ebenso bekannt, wie damals beim Rauchen (Aufhören) – und genau wie damals bleiben sie häufig hehre Vorsätze.

Nun kommt der Funfact: Im Hinblick auf Stressmanagement – v.a. im Arbeitskontext – könnten die heutigen Gestressten etwas von den Rauchenden der ausgehenden Bonner Republik lernen: Diese hatten nämlich nicht nur irgendwann Lungenkrebs, sondern davor ein oft echt gutes Pausenverhalten. Nachdem das Rauchen in den meisten öffentlichen und professionellen Räumen schon verboten war, ließen sie (dem Suchtdruck, aber auch einfach der Routine nachgebend) in schöner Regelmäßigkeit alle ein bis zwei Stunden konsequent alles stehen und liegen, verließen für fünf bis zehn Minuten den Arbeitsplatz, gingen ein paar Schritte bis vor die Tür, um dort bei Wind, Wetter und Sonnenschein an der frischen Luft zu stehen. Alleine den Gedanken freien Lauf lassend (sie hatten noch kein Smartphone) oder entspannt plaudernd mit einem Grüppchen Kolleg*innen, das ein wohliges Zusammengehörigkeitsgefühl aufgrund der regelmäßig gemeinsam verbrachten Kurzpausen empfand.

Fast alles perfekt um Stresserleben zu reduzieren: Wir können uns für 60-90 Minuten optimal konzentrieren, danach wird es immer mühsamer. Eine kurze Pause hilft. Den Arbeitsplatz zu verlassen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich auch mental Abstand zur Arbeit zu nehmen. Körperliche Bewegung regt den Kreislauf an und reduziert Erschöpfung sowie schädliche Fehlhaltungen. Positiver sozialer Kontakt und Zugehörigkeit fördern positive Emotionen. Und tiefes Atmen aktiviert das parasympathische Nervensystem, das für Entspannung und Regeneration zuständig ist (Quelle).

Nur die Zigarette selbst vermiest die schöne Gesundheitsbilanz. Was wäre, wenn wir alle uns bei der Arbeit, zu Hause und in der Schule verhielten wie Rauchende, aber ohne zu Rauchen? Alle ein bis zwei Stunden ein paar Minuten vor die Tür, ohne Smartphone, und tief die frische Luft ein- und ausatmen. Alleine oder zu Mehreren. Insbesondere dann, wenn wir spüren, dass Stress und Anspannung hoch sind. Statt „Ich muss jetzt erstmal eine rauchen!“, würden wir ebenso bestimmt und selbstgewiss sagen: „Ich muss jetzt erstmal atmen gehen!“

Die Rauchenden haben sich überraschend schnell an die weitgehenden Rauchverbote Anfang des Jahrhunderts gewöhnt. Vielleicht würde sich auch unsere beschleunigte Leistungsgesellschaft schneller an die Atempause gewöhnen, als wir denken.

Wer das Raucherpausen-Feeling noch steigern und gleichzeitig den gesunden Effekt des tiefen, langsamen Atmens optimieren möchte, kann sich sogar einen Atemstrohalm (breathing straw) mitnehmen (vom haushaltsüblichen Papp- oder Glasstrohalm bis zu eigens gefertigten schicken Metallmodellen zum Umhängen ist alles geeignet) und durch diesen ausatmen: Verlangsamt die Ausatmung und steigert dadurch den Entspannungseffekt. Und schon sieht man fast so cool aus wie Bogart!

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